Core Five
Das Ende westlicher Selbstverständlichkeiten
Abstract
This article examines leaked indications from Washington that point to a structural reconfiguration of United States strategic thought within an increasingly multipolar international system.
Drawing on realist and neo-structural perspectives, Europe is no longer conceptualized as a coherent geopolitical actor, but rather as a fragmented political space marked by limited security
capacity and declining relative power. Established Western coordination formats, particularly the G7, appear insufficient for managing systemic power transitions and the redistribution of
material capabilities.
Against this background, U.S. strategic discourse has advanced the concept of the “Core Five” (C5)—the United States, China, Russia, India, and Japan—reflecting a shift from norm-based
institutionalism toward an ordering logic grounded in geopolitical, demographic, and industrial mass. Europe’s exclusion from this framework signals an assessment of reduced strategic centrality
within the emerging global configuration.
For Germany, these developments underscore the cumulative consequences of diplomatic misalignment, prolonged military underinvestment, and the erosion of strategic responsibility. Rather than
constituting an incremental policy adjustment, the dynamics described indicate a critical juncture in which the structural foundations of Western political agency and security governance are
being fundamentally redefined.
1. Amerikas neue Sicht auf Europa
Die durchgestochenen Hinweise aus Washington, über die Defense One berichtete, zeichnen das Bild einer amerikanischen Außenpolitik, die Europa nicht länger als kohärente strategische Einheit behandelt, sondern als politisch heterogenen Raum mit begrenzter sicherheitspolitischer Tragfähigkeit. Diese Neubewertung gewinnt an Gewicht, weil sie Teil einer umfassenderen Ordnungsvorstellung ist, in der die bisherigen Formate westlicher Zusammenarbeit ihre frühere Bindekraft verlieren. Die G7, die bereits mit dem Ausschluss Russlands an strategischer Tiefe eingebüßt hatte, gilt in Washington nicht mehr als jenes zentrale Abstimmungsformat, das sie über Jahrzehnte darstellte.
Hinzu tritt eine nüchternere Lesart der Bündnisverpflichtungen selbst. Artikel 5 des NATO-Vertrages begründet keinen automatischen militärischen Beistand, sondern stellt den Bündnisfall lediglich fest. Die konkrete Reaktion bleibt ausdrücklich dem Ermessen jedes Mitgliedstaates überlassen. Die bisherige europäische Erwartung, amerikanische Sicherheitsgarantien seien quasi automatisch abrufbar, beruhte damit weniger auf rechtlicher Verbindlichkeit als auf politischer Praxis und strategischer Gewohnheit. Mit dem Wandel amerikanischer Prioritäten tritt diese rechtliche Offenheit nun sichtbar zutage.
2. Von der G9-Idee zur Konzeption der Core Five
Vor diesem Hintergrund entstand in Washington zunächst die Überlegung einer erweiterten G9, die Russland wieder einbinden und zugleich China in ein westlich dominiertes Koordinationsformat integrieren sollte. Diese Übergangsidee führte weiter zur Konzeption der Core Five (C5), deren Zusammensetzung bewusst keiner normativen, institutionellen oder wertebasierten Logik folgt, sondern sich an der geopolitischen, demografischen und industriellen Masse jener Staaten orientiert, die nach amerikanischer Einschätzung die Grundspannung des internationalen Systems tragen. Zu diesen fünf gehören die Vereinigten Staaten, China, Russland, Indien und Japan, deren wechselseitige Abstimmung künftig die großen Linien globaler Ordnung bestimmen soll. Europa ist in dieser Struktur nicht vorgesehen, weil es aus amerikanischer Sicht weder über die militärische Substanz noch über die politische Geschlossenheit verfügt, die eine gestaltende Rolle in einem solchen Kreis rechtfertigen würde.
Europa ist in dieser Struktur nicht vorgesehen, weil es aus amerikanischer Sicht weder über eigenständige militärische Durchsetzungsfähigkeit noch über die strategische Geschlossenheit verfügt, die eine belastbare Bündnislast rechtfertigen würde. In dieser Perspektive ersetzt auch die formale Existenz von Bündnisverträgen keine reale Machtbasis.
3. Der Preis strategischer Vernachlässigung
In dieser Entwicklung tritt deutlicher zutage, wie unmittelbar die internationale Stellung eines Kontinents von seiner eigenen sicherheitspolitischen Handlungsfähigkeit abhängt. Ein langer Prozess diplomatischer Fehlgewichtungen, politischer Fehleinschätzungen und strategischer Passivität hat dazu geführt, dass Deutschland schrittweise aus jenem Rahmen internationaler Gewichtung herausfiel, der seine Rolle über Jahrzehnte getragen hatte. Dieser Bedeutungsverlust war nicht das Ergebnis eines einzelnen Entschlusses, sondern die kumulative Folge unterlassener Prioritätensetzungen und versäumter strategischer Entscheidungen, in deren Verlauf die operative Substanz schwand und die Wahrnehmung durch äußere Partner entsprechend verblasste.
Gerade die stillschweigende Annahme, Artikel 5 könne eigene Defizite dauerhaft kompensieren, erwies sich dabei als strategische Selbsttäuschung. Bündnisse wirken nur dort abschreckend, wo die Beteiligten selbst zur Lastenteilung fähig sind.
4. Anforderungen an eine Rolle in der kommenden Ordnung
Die Konsequenzen dieser Verschiebungen liegen klar vor Augen. Europa wird in der kommenden Ordnung nur dort Einfluss entfalten, wo es bereit ist, sicherheitspolitische Verantwortung nicht nur rhetorisch zu bekennen, sondern operativ zu tragen, militärische Fähigkeiten bereitzustellen und jene kulturelle Geschlossenheit wiederzugewinnen, aus der politischer Wille entsteht. Die Vereinigten Staaten wenden sich nicht von Europa ab, doch sie ordnen ihre strategischen Prioritäten neu und orientieren sich an jenen Staaten, die in die Struktur der Core Five passen. Die Frage, welche Rolle der Kontinent künftig einnehmen wird, hängt daher weniger von äußeren Zusagen ab als von der Bereitschaft, die eigenen Grundlagen von Sicherheit, Stabilität und politischer Gestaltungskraft neu zu begründen.
Artikel 5 bleibt damit ein politischer Rahmen, aber kein Ersatz für eigene Verteidigungsfähigkeit. Die künftige Rolle Europas hängt weniger von der Beschwörung vertraglicher Garantien ab als von der Bereitschaft, die eigenen Grundlagen von Sicherheit, Stabilität und politischer Gestaltungskraft neu zu begründen.
5. Eine Zäsur von historischer Tragweite
Die Geschichte wird diese Jahre nicht als beiläufige Verschiebung verzeichnen, sondern als eine Phase, in der die rechtlichen und politischen Fiktionen westlicher Sicherheit offen sichtbar wurden und die Voraussetzungen staatlicher Handlungsfähigkeit unter veränderten globalen Bedingungen neu vermessen werden mussten.
Thesenpapier
Strategische Handlungsaufträge für Deutschland
1. Deutschland muss eine nukleare nationale Rückversicherung anstreben.
Artikel 5 des NATO-Vertrages definiert den Bündnisfall als politischen und rechtlichen Rahmen, innerhalb dessen jeder Bündnispartner eigenständig über die angemessenen Maßnahmen, einschließlich militärischer Mittel, entscheidet. Die amerikanische Sicherheitsgarantie war daher stets politisch getragen, nicht rechtlich zwingend. Da ihre Verlässlichkeit abnimmt, benötigt Deutschland ein eigenes nukleares Mitspracherecht, sei es über ein institutionell verankertes Stimmrecht im französischen Nuklearverbund oder – falls dies scheitert – über den Aufbau eigener Fähigkeiten. Ohne glaubwürdige Abschreckung verliert Deutschland die Grundbedingung der äußeren Sicherheit.
2. Die konventionelle Kampfkraft Deutschlands muss wiederhergestellt werden.
Ein Bündnis ohne militärische Substanz der einzelnen Mitglieder verliert seine Abschreckungswirkung. Deutschland kann seine Interessen nur wahren, wenn es Streitkräfte besitzt, die operativ
wirken können und nicht auf symbolische Fähigkeiten reduziert sind.
Dazu gehören ein einsatzbereites Heer, eine funktionsfähige Luftverteidigung, ein maritimer Schutz der Zufahrtswege und die Fähigkeit zur industriellen Regeneration von Material und Munition.
3. Deutschland muss zur Kernenergie zurückkehren.
Bündnisfähigkeit setzt energiepolitische Eigenständigkeit voraus. Ein Staat, der energiepolitisch abhängig bleibt, verliert jeden strategischen Handlungsspielraum.
Kernkraft bildet die Grundlast, die industrielle Wettbewerbsfähigkeit und die Resilienz kritischer Infrastrukturen sichert. Ohne sie fällt jede sicherheitspolitische Ambition in sich zusammen.
4. Deutschland muss seine industrielle Substanz wiederherstellen.
Militärische und politische Zusagen sind ohne industrielle Basis nicht durchhaltbar. Die Erosion zentraler Industriezweige gefährdet die nationale Sicherheit. Deutschland benötigt strategische Kapazitäten in Stahl, Chemie, Elektronik, Halbleitern, Rüstungstechnik und Energietechnik. Ein Staat ohne industrielle Tiefe besitzt keine strategische Tiefe.
5. Die innere Sicherheit muss als strategische Kategorie behandelt werden.
Artikel 5 schützt nicht vor hybriden Angriffen unterhalb der Kriegsschwelle. Hybride Angriffe, Cyberoperationen, Sabotage und Einflussnahme erfordern einen Staat, der seine kritischen Infrastrukturen schützen kann. Deutschland benötigt eine engere Verzahnung von Nachrichtendiensten, Polizei, Cyberkommando und Verfassungsschutz.
6. Migration muss als sicherheitspolitische Aufgabe verstanden werden.
Gesellschaftliche Fragmentierung schwächt sowohl die Bündnisfähigkeit als auch die Verteidigungsbereitschaft. Unkontrollierte Migration schwächt die staatliche Planbarkeit und gesellschaftliche Stabilität. Deutschland braucht einen Steuerungsansatz, der Aufnahmefähigkeit, Integrationsfähigkeit und Sicherheitslage zusammenführt und nicht voneinander trennt.
7. Deutschland braucht eine Dienstpflicht.
Ein Bündnis ersetzt nicht die Bereitschaft der eigenen Gesellschaft zur Verantwortung. Eine wehrfähige Demokratie benötigt Bürger, die Verantwortung übernehmen und staatliche Aufgaben tragen. Eine allgemeine Dienstpflicht – militärisch oder zivil – erzeugt jene gesellschaftliche Resilienz, die eine parlamentarische Ordnung im Ernstfall schützt.
8. Deutschlands Diplomatie muss realistisch werden.
Bündnisrhetorik darf nicht an die Stelle eigener Interessenanalyse treten. Deutschland darf außenpolitische Entscheidungen nicht länger aus innenpolitischen Motiven ableiten. Es benötigt eine Außenpolitik, die Interessen klar definiert, Machtunterschiede erkennt und strategische Linien verfolgt. China, Russland, Indien, Japan und die USA müssen jeweils mit nüchterner Zielklarheit adressiert werden.
9. Deutschland digitale Souveränität ist unverzichtbar.
Moderne Bündnisfähigkeit ist ohne digitale Eigenständigkeit nicht gegeben. Deutschland muss eigene digitale Infrastrukturen, KI-Systeme, militärische Führungsnetze und Cyberabwehrfähigkeiten entwickeln. Ein Staat, der seine technologische Souveränität verliert, verliert auch seine politische Souveränität.
10. Deutschland benötigt eine sicherheitspolitische Kultur.
Wer Artikel 5 als Ersatz für eigenes Denken begreift, verzichtet auf Strategie. Ein Staat, der seine Verteidigung delegiert, verliert den Sinn für Strategie. Deutschland braucht eine sicherheitspolitische Bildung, die in Schulen, Universitäten, Verwaltung, Medien und politischen Institutionen verankert wird. Nur so entsteht jene strategische Handlungsfähigkeit, die die Lage des 21. Jahrhunderts verlangt.
11. Finanzielle Souveränität ohne sicherheitspolitische Grundlage bleibt Illusion.
Bündnisse kompensieren keine strukturelle fiskalische Verwundbarkeit. Ein Staat, der seine äußere Handlungsfähigkeit nicht sichern kann, verliert auch die Fähigkeit, seine finanziellen
Bedingungen selbst zu bestimmen.
12. Deutschland reagiert auf ein System, das es nicht mitgestaltet.
Die Erwartung automatischer Bündnissolidarität verdeckt reale Machtasymmetrien. Solange die wesentlichen Parameter des globalen Schulden- und Währungsgefüges außerhalb des eigenen
Einflussbereichs liegen, bleibt die nationale Finanzpolitik strukturell abhängig.
13. Deutschland benötigt demografische Resilienz.
Eine wirksame Verteidigungsfähigkeit ist ohne tragfähige Bevölkerungsbasis nicht dauerhaft möglich. Eine stabile sicherheitspolitische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Ordnung setzt eine demografische Basis voraus, die tragfähig ist. Deutschlands Geburtenrate liegt weit unter dem Selbsterhaltungsniveau, der Fachkräftemangel verschärft sich, und die Sozialsysteme geraten strukturell unter Druck. Die Demografie ist nicht nur eine soziale, sondern auch eine geopolitische Kategorie.
14. Deutschland muss seine strategische Kommunikationsfähigkeit zurückgewinnen.
Artikel 5 lebt politisch von der Glaubwürdigkeit. Diese entsteht nur durch klare Kommunikation. Ein Staat, der keine klare sicherheitspolitische Erzählung formulieren kann, verliert die Fähigkeit, Mehrheiten für die notwendigen Entscheidungen zu gewinnen. Das betrifft die Außenpolitik, Wehrpolitik, Technologiepolitik und innere Sicherheit gleichermaßen.
15. Deutschland braucht Führungskräfte, die strategisch denken und handeln.
16. Deutschland braucht gesellschaftliche Resilienz und einen zeitgemäßen Zivilschutz.
Artikel 5 schützt weder die eigene Bevölkerung noch die Infrastruktur. Deutschland muss seine gesellschaftliche Resilienz durch einen modernen Zivilschutz, redundante Versorgungssysteme und eine robuste Infrastruktur stärken, da sicherheitspolitische Fähigkeiten ohne eine widerstandsfähige Bevölkerung und funktionsfähige Grundstrukturen in Krisen- und Störungslagen nicht wirksam werden können.
Kommentiertes Quellenverzeichnis
I. Primärrechtliche Quelle
1. Nordatlantikvertrag (Washingtoner Vertrag), 4. April 1949 – Artikel 5
Die Parteien vereinbaren, daß ein bewaffneter Angriff gegen eine oder mehrere von ihnen in Europa oder Nordamerika als ein Angriff gegen sie alle angesehen werden wird; sie vereinbaren daher, daß
im Falle eines solchen bewaffneten Angriffs jede von ihnen in Ausübung des in Artikel 51 der Satzung der Vereinten Nationen anerkannten Rechts der individuellen oder kollektiven
Selbstverteidigung der Partei oder den Parteien, die angegriffen werden, Beistand leistet, indem jede von ihnen unverzüglich für sich und im Zusammenwirken mit den anderen Parteien die Maßnahmen,
einschließlich der Anwendung von Waffengewalt, trifft, die sie für erforderlich erachtet, um die Sicherheit des nordatlantischen Gebiets wiederherzustellen und zu erhalten.
Kurzkommentar:
Artikel 5 stellt den Bündnisfall fest und begründet eine Pflicht zur Solidarität. Die konkrete Ausgestaltung des Beistands bleibt jedoch ausdrücklich der eigenständigen Entscheidung jedes
Bündnispartners überlassen. Der Vertrag definiert damit einen politischen und rechtlichen Entscheidungsrahmen, nicht einen automatischen militärischen Einsatzmechanismus.
II. Primärquelle des Leitartikels
2. Meghann Myers (Defense One): „Make Europe Great Again and more from a longer version of the National Security Strategy“ (9./10. Dezember 2025)
Relevanz: Diese Quelle bildet die Grundlage für die durchgestochenen Passagen der amerikanischen Sicherheitsstrategie, insbesondere für die Überlegungen zu G9, Core Five und der
Neubewertung Europas.
Grenze: Journalistisch vermittelter Leak; keine offizielle Bestätigung.
III. Offizielle US-Regierungsdokumente
3. National Security Strategy (NSS), unclassified version, Weißes Haus (Dezember 2025)
Relevanz: Offizieller Rahmen der US-Außenpolitik; bestätigt die Schwerpunktverlagerung weg von Europa.
Grenze: Die inoffiziellen radikaleren Passagen fehlen.
IV. Institutionelle und historische Rahmenquellen
4. John Kirton u. a.: Studien zur Entwicklung von G7 und G20
Relevanz: Beschreibt den Bedeutungsverlust der G7 und die strukturellen Veränderungen globaler Koordinationsformate.
Grenze: Kein Bezug zu den Core Five.
5. NATO Defence Expenditure Reports; SIPRI Military Expenditure Database
Relevanz: Empirische Grundlage für die sicherheitspolitischen Defizite Europas.
Grenze: Zahlen bedürfen der strategischen Interpretation.
V. Amerikanische konservative Primärstimmen
6. Heritage Foundation: „U.S. Grand Strategy in an Age of Multipolarity“
Relevanz: Verdeutlicht die konservative Sicht, dass Europa nicht mehr sicherheitspolitischer Schwerpunkt ist und die USA ihre Kräfte auf Asien konzentrieren
müssen.
Grenze: Politisch geprägt.
7. Hudson Institute: Analysen zu multipolarer Ordnung und Konkurrenz mit China
Relevanz: Stützt intellektuell die These, dass traditionelle westliche Foren nicht mehr ausreichen und neue Machtformate notwendig werden.
Grenze: Kein offizieller Politikstatus.
8. John Bolton: Essays und Memoiren zur außenpolitischen Linie souveräner Nationalstaaten
Relevanz: Zeigt das Denken konservativer außenpolitischer Entscheidungsträger, die multilateralen Formaten skeptisch gegenüberstehen.
Grenze: Subjektiv gefärbt.
9. Project 2025 (sicherheitspolitische Schwerpunktkapitel)
Relevanz: Politischer Orientierungsrahmen für republikanische Außenpolitik; betont Rückzug aus europäischen Verpflichtungen.
Grenze: Politisches Programm, kein staatliches Dokument.
VI. Russische strategische Sichtweisen
10. Sergej Karaganow: Essays zur eurasischen Ordnung
Relevanz: Beschreibt eine post-westliche Weltordnung, in der Europa als peripherer Raum erscheint und die großen eurasischen Mächte die Hauptrollen übernehmen.
Grenze: Eng an der russischen Regierungslinie.
11. Primakov-Doktrin und Weiterentwicklungen
Relevanz: Grundmodell der russischen Außenpolitik, das die Triangulation Russland–China–Indien als Gegengewicht zur amerikanischen Dominanz entwirft.
Grenze: Normativ geprägt.
12. Berichte des russischen Außenministeriums zu „Strategic Multipolarity“
Relevanz: Zeigt die offizielle Darstellung einer multipolaren Ordnung, in der Europa an Bedeutung verliert.
Grenze: Teil staatlicher Informationspolitik.
VII. Chinesische strategische Sichtweisen
13. Wang Yi: Reden zur globalen Ordnung mit asiatischer Zentrierung
Relevanz: Verdeutlicht den chinesischen Anspruch, globale Ordnung nicht mehr im westlichen Rahmen, sondern als Zusammenspiel großer Zivilisationsstaaten zu
gestalten.
Grenze: Diplomatisch formuliert.
14. Weißbuch „China and the World in the New Era“ (2019–2023)
Relevanz: Zeigt Chinas langfristige Weltordnungslogik, die sich mit der strukturellen Idee der Core Five überschneidet.
Grenze: Staatliche Selbstdarstellung enthalten.
15. Yan Xuetong: Schriften zum „Moral Realism“
Relevanz: Akademischer Unterbau der chinesischen Sicht, dass internationale Ordnung durch große Machtzentren strukturiert wird.
Grenze: Keine direkte Regierungslinie.
VIII. Europäische und historische Kontextquellen
16. EU Institute for Security Studies (EU ISS): Jahresberichte zur europäischen Sicherheitslage
Relevanz: Dokumentiert Europäische Verwundbarkeit und das Fehlen strategischer Handlungsfähigkeit.
Grenze: EU-interne Vorsicht in strategischen Bewertungen.
17. Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP): Studien zur deutschen und europäischen Außenpolitik
Relevanz: Bietet empirische Grundlage für die Diagnose strategischer Passivität Europas.
Grenze: Zurückhaltend in normativen Aussagen.
18. International Institute for Strategic Studies (IISS): „The Military Balance“
Relevanz: Maßgebliche Quelle für militärische Fähigkeiten, Machtstrukturen und quantitative Lagebilder.
Grenze: Reine Zahlen; Interpretation erforderlich.
19. Historische Arbeiten von Lothar Gall, Christopher Clark, Klaus Hildebrand
Relevanz: Erklären historische Mechanismen deutscher Selbstisolierung und bieten konzeptionelle Linien für heutige strategische Parallelen.
Grenze: Historische Analyse; keine direkte Gegenwartsanweisung.
Anmerkung: Die vorstehenden Ausführungen dienen der sicherheitspolitischen Analyse und strategischen Bildung. Sie verstehen sich als wissenschaftlicher Diskussionsbeitrag und stehen in keinem dienstlichen Zusammenhang. Eine amtliche oder institutionelle Position wird damit nicht vertreten.
